Im Gesundheits-ABC geht es um Menschen und ihre persönlichen Erfahrungen mit Autismus. Für den Buchstaben A erzählt uns Tom aus dem AlexOffice von seinem Leben mit Autismus.
Magst du dich kurz vorstellen?
Hey, ich bin Tom, zweiunddreißig Jahre und komme aus Köln.
Wer bist du und was machst du gerne?
Alles mögliche. Am ehesten lässt es sich umschreiben mit: meinen Spezialinteressen nachgehen.
Über welche Erkrankung sprechen wir heute – und wann hast du gemerkt, dass etwas anders ist?
Ich bin Asperger-Autist. Das war eigentlich kein Problem, bis ich im Studium eine Depression bekam und in der Tagesklinik Alteburger Straße die Verdachtsdiagnose „Asperger-Autismus“ als Grund hierfür erhielt.
Wie hast du dich gefühlt, als du von deiner Diagnose erfahren hast?
Echt erleichtert. Vorher dachte ich schon manchmal, warum mich andere Dinge interessieren als viele andere Menschen.
Von Idioten kann man kein Verständnis erwarten.
Wie fühlt sich die Erkrankung für dich an?
Ich kenne es eigentlich gar nicht anders und fühle mich okay damit. Wenn mir Leute dumm kommen, kommuniziere ich das je nach Situation oder gehe weg. Von Idioten kann man kein Verständnis erwarten.
Wie beeinflusst sie deinen Alltag – bei der Arbeit, zuhause oder in sozialen Situationen?
Ich brauche eine Arbeit, in der nicht zu viel Flexibilität gefordert ist, feste Abläufe sind gut. Durch die Depression ermüde ich schneller als andere.
Was fällt dir manchmal schwer und was hilft dir besonders?
Meinen Interessen nachgehen ist ein Kraftort, schwer fällt mir der soziale Umgang mit rücksichtsarmen Menschen. Wir können doch auch nett und friedlich miteinander umgehen und uns auf Augenhöhe begegnen. Die Ellbogengesellschaft stellt mich vor ein Rätsel. Ich finde solches Verhalten eigentlich ziemlich degeneriert. Ideales Menschsein ist etwas gänzlich anderes.
Was verstehen andere Menschen oft falsch an deiner Erkrankung?
Blitzschnell hohe Zahlen multiplizieren.
Gibt es Vorurteile oder Aussagen, die dir im Alltag begegnen?
Ja, das ist öfter der Fall. Aber ich versuche, wie gesagt, mich nicht mit toxischen Menschen zu umgeben.
Was hilft dir dabei, dich verstanden oder gut unterstützt zu fühlen?
Die anderen als krank betrachten. So erklärt sich die Menschheits-Geschichte aus Mord und Gewalt am ehesten. Ich hab mal BeWo ausprobiert, aber das waren ziemlich unfähige Gestalten. Glücklicherweise komme ich so gut zurecht.
Was wünschst du dir von anderen Menschen im Umgang mit psychischen Erkrankungen?
Von Idioten: in Ruhe gelassen werden. Von sympathischen, einfühlsamen Menschen: lass uns mal zusammen einen Kaffee trinken gehen.
Sie geben mir Motivation, weiter zu wachsen und noch Wertigeres zu erstreben.
Worauf bist du stolz oder was gibt dir Kraft?
Stolz bin ich nicht, eher sehe ich mit Freude die vielen positiven Dinge, welche mir im Leben bereits gelungen sind. Sie geben mir Motivation, weiter zu wachsen und noch Wertigeres zu erstreben.
Wenn Menschen nach diesem Interview eine Sache mitnehmen sollen – welche wäre das?
Fragt euch einmal, ob ihr mit eurem Verhalten euer Umfeld besser, gütiger, heller macht. Wenn nicht, wäre es Zeit, sich zu ändern.
Hast du noch einen Lebenssatz / ein Motto für uns?
Carpe diem und You only live once.
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